Nutrazeutika: Die Gesundheit durch Natur und Wissenschaft erschließen
Nutrazeutika – eine Verschmelzung von „Ernährung“ und „Pharmazeutika“ – beziehen sich auf bioaktive Verbindungen, die über die Grundnahrung hinaus gesundheitliche Vorteile bieten. Nutrazeutika kommen natürlich in Lebensmitteln vor oder werden isoliert und in konzentrierter Form verkauft. Mit dem zunehmenden Interesse an präventiver Gesundheitspflege und Wellness haben Nutrazeutika bei der Behandlung chronischer Krankheiten, der Stärkung des Immunsystems und der Förderung der Langlebigkeit große Popularität erlangt.
Klassifizierung von Nutraceuticals
Nutraceuticals können grob in folgende Gruppen eingeteilt werden:
1. Nahrungsergänzungsmittel
Dazu gehören Vitamine, Mineralien, Aminosäuren und andere Substanzen, die zur Ergänzung der Ernährung eingenommen werden.
Beispiele: Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Kalzium.
2. Funktionelle Lebensmittel
Lebensmittel, die über die Grundnahrung hinaus eine potenziell positive Wirkung auf die Gesundheit haben.
Beispiele: Angereicherte Getreideprodukte, Probiotika, Haferflocken (enthalten Beta-Glucan).
3. Medizinische Lebensmittel
Für den Verzehr unter ärztlicher Aufsicht im Rahmen einer speziellen Diät formuliert.
Beispiele: Lebensmittel für Patienten mit Phenylketonurie (phenylalaninarme Diät).
4. Phytochemikalien und pflanzliche Produkte
Aus Pflanzen gewonnene Chemikalien mit potenziellem therapeutischem Nutzen.
Beispiele: Polyphenole (z.B. Resveratrol), Curcumin, Catechine, Flavonoide.
Mechanismen der Wirkung
Nutrazeutika wirken über mehrere biologische Wege, darunter:
1. Antioxidative Aktivität
Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren den oxidativen Stress, der mit dem Altern und vielen chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht wird.
2. Entzündungshemmende Wirkung
Viele Nutrazeutika modulieren entzündliche Zytokine und Enzyme wie COX-2.
3. Modulation von Zellsignalwegen
Nutrazeutika können Signalwege wie NF-κB, MAPK und PI3K/Akt beeinflussen, die am Zellüberleben und der Apoptose beteiligt sind.
4. Epigenetische Regulierung
Einer der überzeugendsten Mechanismen ist ihre Fähigkeit, epigenetische Markierungenzu modulieren – chemischeVeränderungen an DNA und Histonen, die die Genexpression regulieren, ohne die DNA-Sequenz zu verändern.
Beteiligte epigenetische Mechanismen:
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DNA-Methylierung: Nahrungsergänzungsmittel wie Folat, Genistein und Curcumin können DNA-Methyltransferasen (DNMTs) beeinflussen, was zu einer Stilllegung oder Aktivierung von Genen führt.
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Histon-Modifikation: Wirkstoffe wie Resveratrol und Sulforaphan modulieren Histon-Acetyltransferasen (HATs) und Histon-Deacetylasen (HDACs) und beeinflussen so die Chromatinstruktur und die Gentranskription.
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Nicht-kodierende RNAs: Nahrungsergänzungsmittel können microRNAs (miRNAs) regulieren, die das Gen-Silencing und die post-transkriptionale Kontrolle beeinflussen.
Diese epigenetische Modulation unterstreicht ihr Potenzial bei der Krebsprävention, dem Neuroschutz und der Stoffwechselregulierung.
Gesundheitliche Vorteile von Nutrazeutika
1. Kardiovaskuläre Gesundheit
Omega-3-Fettsäuren, Flavonoide und Polyphenole senken den Blutdruck, verbessern das Lipidprofil und beugen Arteriosklerose vor.
2. Krebsvorsorge
Curcumin, Grüntee-Katechine und Resveratrol haben eine proliferationshemmende Wirkung und können die Apoptose in Tumorzellen auslösen.
3. Kognitive Funktion
Inhaltsstoffe wie Ginkgo biloba, DHA und Polyphenole unterstützen das Gedächtnis, reduzieren die Neuroinflammation und können das Alzheimer-Risiko senken.
4. Metabolische Gesundheit
Nutrazeutika wie Berberin und Chrom verbessern die Insulinempfindlichkeit und helfen, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.
5. Modulation des Immunsystems
Probiotika, Vitamin C und Zink verbessern die angeborene und adaptive Immunität.
Herausforderungen: Schlechte Bioverfügbarkeit
Trotz vielversprechender Wirkungen leiden viele Nutrazeutika unter einer schlechten Bioverfügbarkeit, was ihre klinische Wirksamkeit einschränkt. Zu den Faktoren gehören:
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Schlechte Wasserlöslichkeit (z.B. Curcumin, Resveratrol)
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First-Pass-Stoffwechsel
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Schneller Abbau oder Beseitigung
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Geringe Durchlässigkeit des Darms
Strategien zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit
1. Nanoformulierungen
Nanopartikel und Nanoemulsionen verbessern die Löslichkeit, Absorption und zelluläre Aufnahme.
Beispiel: Nano-Curcumin zeigt deutlich bessere Plasmaspiegel als normales Curcumin.
2. Lipid-basierte Systeme
Liposomen und feste Lipid-Nanopartikel schützen Verbindungen vor dem Abbau und verbessern die Aufnahme.
3. Komplexierung mit Trägern
Cyclodextrine und Phospholipidkomplexe (z.B. Phytosome) erhöhen die Stabilität und die Aufnahme.
4. Verwendung von Bioenhancern
Verbindungen wie Piperin (aus schwarzem Pfeffer) hemmen Stoffwechselenzyme und erhöhen die Absorption von anderen Nahrungsergänzungsmitteln.
5. Verkapselung
Mikroverkapselung oder Sprühtrocknungstechniken können empfindliche Verbindungen durch den Magen-Darm-Trakt schützen.